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Die neuen Fenster

(Herausgeber: Kath. Pfarramt „St. Laurentius“ Hülzweiler 1999

Redaktionelle Bearbeitung: Heinz Bernard, Günther Altmaier, Otmar Fechler)

Durch die Kriegseinwirkungen in den Kriegsjahren 1944/45, die im Frühjahr 1945 zum Einsturz der Kirchendecke und des Rabitzgewölbes führten, waren auch die Kir­chenfenster der ersten Generation mit Motiven aus dem Leben unseres Pfarrpatrons Laurentius und mit Szenen aus dem Leben Christi weitgehend zerstört. Nach provi­sorischen Erhaltungsmaßnahmen in den ersten Nachkriegsjah-

ren erfolgte als letzter Abschnitt einer umfassenden Kirchenrenovierung, die Pastor Josef Rommelfanger 1963/64 einleitete, im Jahre 1967 die komplette Erneuerung der Kirchenfenster unter der Bauleitung von Architekt Klaus Hoffmann, Saarlouis. Den Auftrag dazu erhielt der Trierer Maler und Glasmaler Reinhard Heß (1904‑1998). Sein Erstlingswerk, ein spätgotisches Fenster in der Mattias‑Basilika in Trier, hatte eine Vielzahl wei­terer kirchlicher Aufträge zur Folge, darunter auch zehn Arbeiten in Sakralbau­ten des Saarlandes, die in den Jahren 1953 ‑ 1967 entstanden. Als letzte davon, und wohl auch als eine der bedeutenderen Arbeiten hinterließ der angesehene Künst­ler die Gestaltung der 13 Fenster in unserer Pfarrkirche, deren Ausführung – wie bei den meisten seiner übrigen Arbeiten auch ‑ der Trierer Glasmalerei Kaschenbach oblag. Den Fenstern in unserem Gotteshaus liegen Motive aus dem Alten, wie auch aus dem Neuen Testament zugrunde. In ihrer Dissertation „ Reinhard Heß ‑ Maler und Glas­maler in Trier“ (herausgegeben 1997 vom Städtischen Museum Simeonstift Trier) hat sich die Trierer Wissenschaftlerin, Frau Dr. Bärbel Schulte, mit dem Leben und Wirken des Künstlers befaßt und dabei auch die Hülzweiler Kirchenfenster be­sprochen. Lassen wir der Authentizität wegen Frau Dr. Schulte selbst zu Wort kommen:

„Das erste Fenster des linken Seitenschiffes symbolisiert die Schöpfung. Wirbeln­de Sonnen bzw. Planeten, rot bzw. mit roter Aura versehen, stehen stellvertretend für das Chaos, das herrschte, bevor Gott mit ordnender Hand eingriff. Mittels schwungvoll geführter Bleiruten, die diese Planeten umkurven, wird der Eindruck einer rotierenden Bewegung erreicht. Ein dunkelgrauer breiter Streifen bildet den Hintergrund des Mittelteiles, um die Finsternis bzw. die Trennung von Licht und Schatten anzudeuten. Der überwiegende Teil des Fensters ist jedoch in hellgrauen und weißen Tönen gehalten, um genügend Licht in den Raum fallen zu lassen. Das Fenster rechts daneben behandelt ebenfalls ein Thema des Alten Testaments, die Eherne Schlange. Wie die Schöpfung, die allein um Christi Willen geschah, bezieht sich auch die Eherne Schlange auf ihn, ist Symbol seiner Kreuzigung, gleichzeitig jedoch auch Symbol der Hoffnung auf Errettung. Dem Schöpferfenster gegenüber liegt das Fenster mit der Darstellung des Himmli­schen Jerusalems, das das alte Jerusalem abgelöst hat, als ein burgähnliches Ge­mäuer mit drei Portalen. Ein strahlender Stern steht darüber, der möglicherweise auch eine Deutung als Stern von Bethlehem zulassen könnte.

Der Ehernen Schlange, die oft auch als Symbol für das Alte Testament steht, ist das Fenster mit Johannes dem Täufer gegenübergestellt, der den Übergang vom Alten zum Neuen Testament kennzeichnet. Er ist barfüßig dargestellt, mit einem erhobenen Arm, der ihn als Redner ausweist, als Verkünder des kommenden Heils.

Die großen Fenster des Vorchores ‑ je zwei auf jeder Seite, behandeln nun Themen des Neuen Testaments. Die Menschwerdung Christi wird auf der linken Seite darge­stellt, durch die Verkündigung an Maria. Der geflügelte Verkündigungsengel steht nach rechts gewandt etwa in der Mitte des Fensters, während Maria sich in der rech­ten unteren Ecke des Fensters demütig zu seinen Füßen neigt. Im daneben liegenden Fenster wird das Leiden Christi durch die Darstellung des Schmerzensmannes versinnbildlicht. Christus sitzt mit gesenktem Haupt und geschlossenen Augen zusammengesunken in der unteren Bildhälfte und stützt sich auf einen langen Stab, den er schräg vor sich hält. Der obere Teil ist beherrscht von einer großen Dornenkrone, als Symbol seiner Passion.

Die Erhöhung Christi wird auf der rechten Seite dargestellt durch die Auferstehung. Christus steht mit weit aufgerissenen Augen über dem geöffneten Grab. Er hält Arme und Hände erhoben, sodaß seine Wundmale erkennbar sind. Das rechts daneben liegende Fenster wird beherrscht durch ein riesiges rot hin­terlegtes Kreuz, das etwas zur Seite geneigt ist. Im unteren Teil klammert sich ein verängstigt blickender Mensch an einen Anker, während er zu dem Kreuz auf­blickt. Diese Szene soll das Jüngste Gericht symbolisieren und das Kreuz als Anker unserer Hoffnung. Alle Fenster sind von ihrer Farbigkeit auf Weiß und verschiedene Grautöne be­schränkt, wirken auf den ersten Blick fast wie Grisaillen, die jedoch durch sparsam verteilte rote Einsprengsel belebt wurden. Hier spiegeln sich, noch deut­licher als in den Fenstern von Mariahilf, Koblenz‑Lützel, die Entwicklungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die zurückhaltende Farbigkeit liegt aller­dings zusätzlich auch darin begründet, daß es sich um einen neobarocken Bau han­delt, der an sich schon keine grell‑bunten Fenster zugelassen hätte. Die kühlen Töne verleihen dem Raum Helligkeit und Weite, die Fenster erhalten eine schwebende Leichtigkeit, wirken fast wie entmaterialisiert. Heß hat sich hier in der Farbigkeit gut dem architektonischen Charakter angepaßt, obwohl die Figuren vom Maßstab her etwas zu groß wirken.

Die Ovalfenster der beiden westlichen Kapellen stammen ebenfalls von Heß. Sie sind rein ornamental gehalten.

In der linken Kapelle, die als Taufkapelle diente, befindet sich außerdem ein run­des Betonfenster, welches eine Taube zeigt, die von rechts oben herab fliegt. Sie symbolisiert den Hl. Geist, der bei der Taufe Christi erschien, und der durch das Wasser der Taufe gespendet wird.“

   

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© Hans Günter Groß