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Unsere neue Kirche

(Herausgeber: Kath. Pfarramt „St. Laurentius“ Hülzweiler 1999

Redaktionelle Bearbeitung: Heinz Bernard, Günther Altmaier, Otmar Fechler)

Laurentiuskirche Hülzweiler innen nach 1909

Nachdem die Frage des Baugeländes durch eine Schenkung seitens der Gemeinde geklärt war, stand dem Baubeginn einer neuen Kirche nichts mehr im Wege. Im Februar 1908 legte Prof. Ludwig Becker, Dombaumeister zu  Mainz, dem man die Planung und Bauleitung laut Vertrag vom 03. Januar 1907 übertragen hatte, den Plan vor.

Zur Festlegung der Größe eines Gotteshauses wurden zu jener Zeit als Berechnungsgrundlage „ 5/7 der Seelenzahl“ herangezogen. Im Jahre 1908 wohnten in Hülzweiler 421 Familien mit genau 2 610 Einwohnern, von denen 2 nicht katholisch waren. Das hätte also bedeutet, daß die neue Kirche für 1 860 Menschen Platz bietet. In der Planung wurden dann aber nur 924 Sitz- und 476 Stehplätze – also 1400 Plätze – berücksichtigt.

 Mit den Erdarbeiten zu unserer heutigen Pfarrkirche wurde im Juni 1908 begonnen und am 20. September der Grundstein gelegt, der sich am Fuße des Eckpfeilers auf der Evangelienseite neben der Kommunionbank befindet. Er trägt die Inschrift: „Lapis primarius positus A.D. 20. Septembris MCMVIII“ – „ Grundstein gelegt am 20. September 1908“. Diese Inschrift sowie die an der Fassade westlich des Hauptportals, die lautet:

 „ Erbaut im Jahre 1909 unter Beibehaltung des unteren Teiles des alten aus dem Jahre 1837 stammenden Turmes“ wurde von Steinhauer Johann Gehl aus Fraulautern ausgemeißelt, der auch alle Steinmetzarbeiten ausführte. Interessant dürfte sein, daß die neue Kirche um die vorhandene alte errichtet wurde.

Erst nachdem die Fundamente erstellt waren, konnte man in etwa die riesigen Ausmaße des Neubaus erkennen. In dem Geviert von 44,98 m Länge und 21,66 m Breite stand die alte Kirche wie eine Spielzeugschachtel, die wie von Zauberhand beim Fortschreiten der Bauarbeiten immer mehr verschwand.

Im folgenden Jahre 1909 schritten die Bauarbeiten rasch voran. Chor und Kreuzschiff wurden zunächst fertiggestellt – in der Zeit wurde der Gottesdienst in der alten Kirche gehalten. Danach wurde im Chor und im Kreuzschiff der Gottesdienst gehalten, die alte Kirche eingerissen und das brauchbare Material davon benutzt. Im Herbst 1909 konnte die fertige Kirche zur Benutzung freigegeben  werden.

Die Kosten für den Rohbau beliefen sich auf rund 130 000 M. Umlagen wurden keine erhoben; die Gesamtunkosten wurden durch monatliche freiwillige Gaben gedeckt. Auch für die innere Einrichtung wurde reichlich gespendet; 10 Fenster wurden von einzelnen Familien gestiftet. Der Hochaltar wurde vom Ertrag einer Kollekte beschafft; den St. Josephsaltar stiftete der Kath. Arbeiterverein, den Marienaltar die Marianische – Jungfrauenkongregation, die Statue der Hl. Barbara am Turm stifteten die Bergleute der Pfarrei, die Herz – Marien - Statue die Kinder, die Pieta der Mütterverein. Ebenso wurde der Kreuzweg sowie die Ölberggruppe mit Hilfe von freiwilligen Spenden beschafft.

Die breite, wuchtige Fassade der Kirche, die durch den dreistöckigen, mit einem Zwiebeldach gekrönten Glockenturm himmelwärts strebt, wird von drei Portalen durchbrochen. Über dem Hauptportal stehen die Worte aus Genesis 28, 17: „Hic domus dei est et porta coeli“ – „Hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels.“

Der Hauptturm wird von 2 kleineren Helmtürmen flankiert, wodurch schon vom äußeren Bild her  die Innenaufteilung der Kirche zu erkennen ist. Das mächtige zweistöckige Hauptschiff , das getragen wird von schweren viereckigen Pfeilern, die gleichzeitig die beiden Seitenschiffe abtrennen, endet in der halbrunden Apsis des Chores. Diese Innenaufteilung der Kirche läßt die Form des Andreaskreuzes,

das vom Grundriß her nicht erkennbar ist, erahnen.

Jeweils zwei romanische Fenster mit einer Höhe von 2,70 m und einer Breite von 1, 58 m durchbrechen die Außenwände der Seitenschiffe, und die vier riesigen, 5,50 m x 1,80 m großen Fenster erhellen sowohl das Quer- als auch das Hauptschiff. 

Aus disem lichtdurchfluteten Hauptschiff  wird der Blick zum nur schwach erhellten Chor hingelenkt. Beide waren durch eine wunderschön geschwungene Kommunionbank aus gelbem Marmor, die von den Gebr. Schüller aus Trier 1909 geliefert  und von der Familie Schwinn – Lauer gestiftet worden war, abgetrennt. Obwohl sie in ihrer Ausführung beeindruckend wirkte, war sie  Pastor Grefrath zu einfach. 1912 ließ er durch Herrn Dörr/Saulgau zwei Engelsfiguren anfertigen, die die beiden Eckpfosten der Kommunionbank schmückten. Der Engel auf der Evangelienseite hielt einen Kelch in Händen, um auf den würdigen Empfang der Hl. Kommunion hinzuweisen. Der Engel auf der anderen Seite hielt warnend und mahnend die linke Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Höhe. In der Rechten trug er ein Schwert, zur Warnung vor unwürdigem Kommunionempfang.

Der Bogen über der Apsis bildete den Abschluß des Hauptschiffes und gebot dem Besucher, sich ganz der Betrachtung des Prunkstückes der Kirche hinzugeben.

Der reichgegliederte Barockaltar ist schlechthin das Schmuckstück der Kirche.

„In ihm feiert die barocke Marmor- und Holzbildhauerei ein prunkvolles Farben- und Formenfest.. Schnecken, Zwiebel, Knorpelwerk, spielende Englein und krause Ornamentik  finden eine Sammlung in einem hochkünstlerischen impressionistisch  empfundenen Altarbild.

Das Altargemälde, von dem Künstler der Düsseldorfer Schule W. Stucke  entworfen und auf der Düsseldorfer Kunstausstellung im Jahre 1910 preisgekrönt, ist ein Ausschnitt aus der hl. Passion. In überlebensgroßer Ausführung hängt der Christuskörper am Marterholz.. Das göttliche Antlitz ist umstrahlt von einem erhabenen Dulderschmerz. In gesammelter Trauer stehen Maria und Johannes zu beiden Seiten des Gekreuzigten, trinken von seinen Lippen die letzten Worte der Liebe und fügen sich in heiliger Ergebung dem Willen der göttlichen Vorsehung. Der graue, mit Wolken bedeckte Hintergrund läßt die Gestalten der Gruppe noch stärker hervortreten und webt um das Gemälde ein Gefühl von Einsamkeit und hehrer Trauer.

Vier glattschäftige Marmorsäulen mit einfacher Basis und reich verzierten korinthischen Kapitellen, einen geschwungenen Architrav tragend, geben dem Bild einen würdigen Rahmen.

Der Altar ist in seiner dreistufigen Gliederung und seiner Linienführung der Fassade der Kirche angepaßt und verjüngt sich in einem Brustbild des göttlichen Vaters als Weltenherrscher, der den Kreuzestod seines Sohnes segnet. Über seinem Haupte stützen vier kleine Säulen einen zweiten Architrav, der von einem Strahlenkranz gekrönt wird. Der Hochaltar ist in seiner Ausführung ein prächtiges Kunstwerk der barocken Formen- und Farbenkomposition.“ [1]

Für dieses neobarocke Meisterwerk, sowie für alle Kunstwerke der Holzschnitzkunst in unserer Kirche, zeichnet Karl Dörr aus der Saulgauer Holzschnitzerwerkstatt verantwortlich. Der 9,50 m hohe und 4,50 m breite Altar ist ganz aus Tannenholz gefertigt, während die Ornamentik  und die figürlichen Darstellungen aus Lindenholz  geschnitzt sind. Die Altarmensa (Altarplatte) besteht  aus einer 80 Zentner schweren Granitplatte und die Altarstufen aus rötlichem Siena – Marmor. Vier Statuen von 1,50 m umgeben das Altarbild, St. Laurentius als Kirchenpatron, St. Matthias als Diözesanpatron und außen je ein Engel mit einer Schriftenrolle in Händen.

Die Altarbilder sind auf  Leinwand gemalt und auf Rahmen aufgezogen, die Kreuzigungsgruppe mit den Maßen 2,90 m x 1,48 m, Gott Vater 1,40 m x 0,89 m und darüber im Strahlenkranz der Hl. Geist.

Der Tabernakel, der in der Mitte der Mensa seinen Platz hat, beherbergt in seinem verschließbaren Teil die Monstranz und die Kelche.

Im offenen Teil des Tabernakels hat das schwere, handgeschnitzte, reich verzierte und vergoldete Altarkreuz seinen Platz. Den krönenden Abschluß bildet eine Pelikanfigur, wie sie gerade im Barock häufig dargestellt wurde. Der Fabel nach reißt sich der Pelikan die Brust auf, um seine Jungen zu nähren. Dieser Vorgang wird auf Christus übertragen, der, wie der Pelikan sein Blut für das Leben seiner Jungen gibt, sein Blut am Kreuze zur Erlösung der Menschen gibt.

Auch die beiden Seitenaltäre ( 1910) sind in ihrem Aufbau eine Wiedergabe des Hochaltares und ganz wie dieser aus Tannenholz gefertigt. Der neobarocke Marienaltar auf der Evangelienseite mit den Maßen 8,00 m x 3,75 m wird beherrscht von einem 2,12 m x 1,35 m großen Marienbildnis als Maria Himmelskönigin, umgeben von Engeln und Blumen, das ebenfalls wie alle anderen Altarbilder von W. Stucke aus Bonn stammt. Flankiert wird das Bild von zwei Engelsfiguren, und über ihm befindet sich ein Bildnis der Heiligen Agnes mit dem Lamm. Über allem thront ein Engel mit einer Schriftenrolle, auf der zu lesen ist:

„ Magnificat anima mea dominum“. Eine Besonderheit bietet die Mensa dieses Altares. In einer Nische, die von einer verzierten Holzplatte verdeckt ist, ist der im Grab liegende Christus dargestellt, der nur während der Kartage zu sehen ist.

Das Pendant zu diesem Altar, der Josephsaltar, steht auf der anderen Seite. Das 2,05 m x 1,31 m große Bild stellt die heilige Familie bei der Ausführung ihres Tagwerkes dar. Auch dieses Bild ist von zwei Engelstatuen flankiert. Über dem großen Altarbild befindet sich ein kleineres von der Heiligen Barbara. Den Abschluß des Altars bildet ein reich verziertes Kreuz im Strahlenkranz. Auf einem Relief  ist die Szene vom Sterben des Hl. Joseph  dargestellt. Beide Altäre wurden 1910 errichtet.

Zu diesen drei Meisterwerken der Altarbaukunst gehört auch die neubarocke, reich verzierte  Kanzel, ganz aus Tannenholz angefertigt. Die flachen Flächen sind marmorimitiert. In der Mitte der Kanzelbrüstung ist der lehrende Heiland zu sehen, der von jeweils zwei Evangelisten zu beiden Seiten umgeben ist. Die figürlichen Darstellungen sowie die Ornamente, auch an dem Baldachin, der in Form einer Krone gestaltet ist, sind aus Lindenholz und reich vergoldet.

Die aus Lindenholz geschnitzte, 1,90 m hohe Herz Maria Statue, die auf der Evangelienseite neben der Kommunionbank steht, und die Herz Jesu Statue auf der gegenüber liegenden Seite waren reich vergoldet. Im hinteren Teil der Kirche stand auf der Frauenseite in der Nische ein Altartisch mit der Piéta als Aufsatz, 2,00 m hoch und 2,75 breit, getrennt vom Gang durch eine Balustrade, auf der Männerseite die Ölberggruppe auf einem Altartisch, 2,00 m hoch und 3,15 m breit.. Dieser Altar mußte 1920 einem Kriegerehrenmal, 4,50 m hoch und 4,00 m breit,  weichen, das auf vier Tafeln, für jedes Kriegsjahr eine, die Namen von den 82 Gefallenen und 10 Vermißten unseres Ortes aufzeigte. In der Mitte dieses Altares prangte die Darstellung des siegreich aus dem Grab erstandenen Heilands, die heute noch als Überbleibsel dieses Ehrenmals in der Nische zu sehen ist. An Stelle des Ehrenmals, das durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt worden war, ist heute eine schlichte Glasvitrine aufgestellt, in der sich ein Gedenkbuch befindet, das alle Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege beinhaltet.

Man war von den Arbeiten der Saulgauer Kunstanstalt Carl Dörr so angetan, daß man auch weitere Aufträge an sie vergab. Die beiden Beichtstühle aus Eichenholz, reich verziert mit Holzschnitzereien, einer mit der Darstellung der „Heimkehr des verlorenen Sohnes“ geschmückt,  wurden 1909 und 1912 aufgestellt.

Neben dem bereits oben erwähnten C. M. Goebel haben auch andere einheimische Handwerksmeister an der Ausgestaltung unserer Pfarrkirche mitgewirkt. Die Kirchenbänke mit den herrlichen, handgeschnitzten Wangen wurden von den drei Schreinereien Joh. Goebel, Gebr. Freitag und Joh. Quinten hergestellt. Die großen Sakristeischränke stammen aus der Werkstatt der Gebr. Freitag, das Hauptportal und die Türen an den beiden Seiteneingängen von Joh. Goebel.

Nachdem die Stuckrahmen der 14 Stationsbilder von der Trierischen Stuckfabrik Roller angebracht worden waren, konnte der Kunstmaler W. Stucke aus Bonn, der auch alle Altarbilder gemalt hatte, seine Bilder, die auf 2 mm dicken Kupferplatten aufgemalt waren und eine Größe von 0,95 m x 0, 645 m hatten, einsetzen. Bedingung für diese Bilder war, daß auf jedem Bild außer der Hauptperson noch 3 bis 4 Personen sein mußten.

Das I – Tüpfelchen der Innenausstattung unserer Kirche setzte dann der Nachfolger von Herrn Grefrath, Pastor Quirin. Er berief  1920 die Kunstmaler Gebrüder Schaffroth aus Aachen und vertraute ihnen die Ausführung der Deckengemälde an. Es entstanden überlebensgroße Fresken: im Chorraum– Abraham opfert seinen Sohn Isaak – und im Hauptschiff: Die Verklärung Christi – Die Gesetzgebung auf dem Berge Sinai – Elias fährt im feurigen Wagen in den Himmel auf  - David mit der Harfe. Auch diese Kunstwerke wurden in den Kriegsjahren 1944/45 zerstört.



[1] Von dem Heimatdichter Claus Schmauch, Hülzweiler, in einer Würdigung zum Patronatsfest am 14. August 1927

   

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© Hans Günter Groß