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Luftkrieg in unserer Heimat

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Der Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung

(Heinz Bernard & Josef Strauß)

Bis zum 29. Juli 1942 spielte sich das Kriegsgeschehen immer noch weit weg von der Heimat ab. Lediglich die nächtlichen Überflüge feindlicher Flugzeuge erinnerten uns stets daran, dass der Krieg auch uns direkt treffen kann. Von den Luftschutzwarngruppen in Neunkirchen, Saarbrücken, Merzig und Lebach wurde beim Überfliegen des Ärmelkanals von feindlichen Flugzeugen Voralarm gegeben. Wenn dann die endgültige Zielrichtung der Flugzeugpulks in etwa festgelegt werden konnte, wurde Vollalarm ausgelöst. Feuerwehrsirenen gaben uns den Einflug feindlicher Flugzeuge durch ein mehrmaliges auf- und abschwellendes Signal kund und ertönten als Endalarm mit einem lang anhaltenden Signal wieder, wenn die Feindflugzeuge unser Gebiet verlassen hatten. Um diese Gefahrenanzeige kümmerten wir uns damals noch nicht, da wir keine direkte Gefahr für uns ausmachen konnten, obwohl bereits am 1. Oktober 1940 das Eisenwerk in Neunkirchen mit 7 Sprengbomben, und am 22.12.1940 Saarbrücken mit Spreng- und Brandbomben  angegriffen wurde, wobei es 30 Verletzte gab. In den Dörfern beruhigte man sich selbst mit der Feststellung: „Warum sollen die so ein kleines Dorf angreifen?“

Mit der Kriegserklärung an Amerika am 11.12.1941 änderte sich die Luftlage dramatisch. Die feindlichen Einflüge und Angriffe fanden in immer kürzeren Abständen statt. Um die feindlichen Flugzeuge schon weit vor ihren Zielen zu bekämpfen, wurden in unserer Heimat Flakbatterien und Scheinwerferbatterien aufgestellt. Erstere stand auf der Bouser Höhe und letztere auf dem Schützenberg in Hülzweiler. Nun hatte der blutige Ernst des Krieges auch uns erreicht. Am 15.April 1942 entledigte sich ein versprengter Bomber seiner Restlast, in dem er rund 60 Brandbomben über Elm abwarf. Durch das resolute Eingreifen der Luftschutzkräfte konnte eine Brandkatastrophe verhindert werden. Jetzt erst wurde uns bewusst, dass wir in steter Lebensgefahr schwebten, wenn feindliche Flugzeuge durch das Geheul der Sirenen angekündigt wurden. Fast in jeder Nacht warfen die amerikanischen Bomber Flugblätter über unserer Heimat ab, um mit ihren Meldungen die Zivilbevölkerung zu verunsichern. Es kursierten Gerüchte unter der Bevölkerung wie z. Bsp. „Hülzweiler im Loch, wir finden dich doch!“ Das heimliche Sammeln und Lesen dieser Flugblätter war bei Strafe verboten. Hier traten die Jugendorganisationen wieder in Aktion, um diese Blätter gezielt zu sammeln.

Durch die starke Luftabwehr kam es immer öfter vor, dass getroffene feindliche Flugzeuge ihre tödliche Bombenlast nicht über dem Zielgebiet abwerfen konnten. In unkontrollierten „Notabwürfen“ über bewohntem Gebiet entledigten sich die Bomber ihrer gefährlichen Last, um so eventuell noch ihren Heimatflughafen zu erreichen.

Waren es bisher mehr oder weniger Zufallstreffer, resultierend aus abgewehrten Angriffen auf Militärziele, so begannen im Frühjahr 1942 die ersten gezielten schweren Angriffe auf die Großstädte, um die Zivilbevölkerung psychologisch unter Druck zu setzen und zu demoralisieren. Einer der ersten Großangriffe fand Ende Mai auf Köln statt. In dem rund 90 Minuten dauernden Bombardement wurden 1455 Tonnen Bomben abgeworfen. 469 Tote und Tausende von verletzten Zivilisten waren das traurige Ergebnis dieses menschenverachtenden Angriffs.

In der Nacht vom 28. Juli 1942 dröhnten Bombergeschwader über Hülzweiler hinweg. Ihr Ziel war in dieser Nacht Saarbrücken. Insgesamt 275 Maschinen warfen in 30 Angriffswellen 4 Tonnen Sprengbomben und 30 Tonnen Brandbomben in das Zielgebiet. 185 unschuldige Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben und 112 wurden schwer verletzt. Etwa 20 Maschinen fanden ihr Ziel nicht und entledigten sich ihrer Bombenlast wahllos im Umkreis von 25 km. Eines dieser Flugzeuge warf seine gesamte todbringende Last, 3 Sprengbomben, 64 Phosphorbrandbomben und 180 Stabbrandbomben in der Nähe von Saarlautern ab. Ohne Vorwarnung, ohne Hauptalarm raste dieser feindlicher Bomber über unser Dorf und warf einen wahren Regen von Stabbrandbomben ab. Durch das höllische Brummen des Flugzeuges wurden die Menschen aus dem Schlaf gerissen und konnten so schnell eingreifen, wenn eine Bombe ihr Haus getroffen hatte. So konnte in den meisten Fällen größerer Schaden verhindert werden. Trotzdem gab es mehrere Großbrände. Das Anwesen des Bauern Johann Blass an der Ecke Bergstraße stand in hellen Flammen, an der Ecke Ensdorfer Straße und in Nussholz brannten mehrere Häuser. Über dem hell erleuchteten Hülzweiler warf dann ein zweites Flugzeug eine Sprengbombe ab, die das Haus des Bergmanns Peter Krämer in der Tempelstraße traf. Dabei wurde dessen zehnjähriger Sohn Alfred getötet.

Es sollte noch viel schlimmer kommen. Waren diese ersten Angriffe mehr oder weniger Notabwürfe, so wurden sie bald gezielt ausgeführt. In der Schulchronik der Klosterschule Fraulautern finden wir folgenden Bericht des damaligen Rektors Prinz:

„Der erste Unterrichtstag dieses Schuljahres 1942/43 sollte der 2. September sein. Jedoch wurde Saarlautern 3 (Fraulautern) in der Frühe dieses Tages von einem schweren Terrorangriff britischer Flugzeuge heimgesucht. Um 2.45 Uhr warnte die Sirene. Bald schwebten über unserem Ort mehrere Leuchtschirme, abgesetzt von einigen Flugzeugen, die als „Pfadfinder“ dem Hauptverband voraus flogen. Sie markierten das Angriffsziel. Zwischen den Leuchtschirmen fielen farbige – rote und blaue – Leuchtkugeln, die die Nacht zum Tag machten. Nun setzte ein Angriff aus der Luft ein, den wohl niemand, der ihn erlebt hat, je vergessen wird. 70 Minuten lang fielen zentnerschwere Sprengbomben, darunter etliche Luft-minen auf uns hernieder und kündigten sich schon vorher durch immer stärker werdendes, nervenzerrüttendes Brausen und Heulen an. Dazwischen wurden tausende von Brandbomben, besonders viele mit Phosphor, abgeworfen. Bald entstanden in allen Ortsteilen Großbrände. Ganze Straßenzüge, so die Ulanenstraße in Flammen. Dazwischen ertönte immer wieder das infernalische Bersten der Sprengbomben. Die Luft war erfüllt von einem einzigen Akkord teuflischer Zerstörung. Häuser krachten in sich zusammen, Dächer flogen durch die Luft, Ziegeln prasselten hernieder. Das Klirren der zerberstenden Fensterscheiben war in diesem donnernden Getöse und Krachen überhaupt nicht mehr wahrzunehmen. Große Städte mögen durch viel mehr Bomben aller Art heimgesucht worden sein. Hier aber hat sich ein Großangriff auf einen einzigen, kleinen Stadtteil konzentriert. Kaum ein einziges Haus blieb unbeschädigt.  Sprengbomben trafen u. a. den oberen Teil der Hermann - Göring – Straße (11 Tote in zwei Häusern), die Bachstraße, die Hülzweiler Straße (5 Tote ), die Kleist – Straße (Gartenstr.) (4 Tote), dann die Hamburger (Friedhofstr) – Straße, Berliner (Rodener Str.) Str., Reichsstr. und die Siedlung. Gleich zu Beginn des Angriffes wurden die Licht- und Wasserleitungen zerstört. So brannte manches Haus, das sonst noch zu retten gewesen wäre, total aus. Drei Soldaten verloren Frau und Kinder. Im Ganzen hat Fraulautern 31 Tote zu beklagen. Die Verluste an Menschenleben wären bedeutend höher gewesen, wenn die Bunker nicht gewesen wären. ...“

Der Krieg mit all seinen Schrecken hatte uns erreicht, und die Menschen wussten, dass sie Maßnahmen zum Schutze des eigenen Lebens treffen mussten. Die Zivilbevölkerung brach die Türen der Bunker in Ortsnähe auf, um in ihnen Schutz zu suchen. Am 22.08. 1942 wurden daraufhin die Bunker als Luftschutzräume offiziell freigegeben. So benutzten einige Leute der Fraulauterner- und Wiesenstraße den Bunker auf dem Sandberg (siehe Karte Seite 20  ,  Nr.2), einige Bewohner der Bergstraße den Bunker auf Rodenbüsch (Seite 20 , Nr. 3) und einige Anwohner der Schwarzenholzer Straße den Bunker auf Host (Seite 20  , Nr. 4) die doch eine gute Strecke von den Häusern entfernt lagen. Die meisten Menschen in Hülzweiler bauten ihre Kellergewölbe zu einem Luftschutzbunker aus. Holzstempel gaben dem Gewölbe zusätzlichen Halt, Sandsäcke vor den Kellerlöchern sollten Schutz vor Bombensplittern geben. Es war aber alles nur ein Notbehelf. Nach der schrecklichen Bombennacht taten sich dann die Menschen einiger Straßen zusammen und begannen an geeigneten Stellen Stollen und Erdbunker zu bauen. In der Saarwellinger Straße war schon 1939 ein Stollensystem entstanden, das ursprünglich als Versorgungs- und Schutzbunker für die Soldaten des rückwärtigen Gebietes gedacht war. (Im Hauptteil dieser Arbeit wird über diese Stollen berichtet.)

Mit der viel gepriesenen deutschen Lufthoheit schien es nicht mehr weit her zu sein, flogen doch die feindlichen Maschinen am helllichten Tag ihre Ziele in Deutschland an. So auch am Vormittag des 04. Oktober 1943. Frankfurt war das Ziel einiger Hundert Flugzeuge. Da die Wetterverhältnisse zu schlecht waren, flogen die 4 – motorigen Bomber ihre Ausweichziele an, so auch Saarlautern. Der erste Bombenteppich mit 218 Sprengbomben und 1 208 Brandbomben fiel Gott sei Dank auf freies Feld zwischen Fraulautern und Hülzweiler ohne großen Schaden anzufügen. Der zweite Verband löste seine Bomben über der Lisdorfer Au aus, und die Bomben des dritten Verbandes fanden ihr Ziel in der Innenstadt von Saarlautern. Sie richteten einen unvorstellbaren Schaden an, und es gab neben Hunderten von Verletzten 73 Tote. Es war die Hölle auf Erden. Nach diesem schweren zwei Stunden dauernden Angriff auf Saarlouis am 2. September 1942, bei dem 2 315 Tonnen Spreng- und 134 Tonnen Brandbomben abgeworfen wurden, , fanden wir nachts kaum noch richtigen Schlaf. Wir gingen angezogen zu Bett. Der Krieg hatte uns mit all seinen Schrecknissen eingeholt, und schon beim Voralarm sprangen wir aus den Betten. Die Taschen und Schulranzen, gepackt mit dem Notwendigsten, standen in Reih und Glied im Hausflur und waren so griffbereit. Wenn es zu schnell ging, war dann der Keller Unterschlupf bei einem Bombenangriff. Nach einer Nacht mit Fliegeralarm begann der Unterricht der Schulkinder morgens 1 Stunde später. Es war eine schlimme Zeit, die aber wegen der schlechten Wetterverhältnisse im Winter etwas ruhiger wurde, da die Bomberverbände nicht starten konnten. Nach der Landung der Alliierten am 06. Juni 1944 in der Normandie kam der Krieg immer näher. Lassen wir einmal den Zeitzeugen Heinrich Lessel, Mitarbeiter der Saarbrücker – Zeitung, zu Wort kommen:

„Allein im März 1944 eilten die Hülzweiler insgesamt 19mal in die Stollen. Vom 31. März, 23,45 Uhr, bis zum 1. April, 12 Uhr, saßen sie allein 8 Stunden in den „Katakomben“. Am 13. April 1944 konnte man 35 „Viermotorige“ am Frühlinshimmel zählen, und am 1. Mai zogen am hellen Tag 43 mit dumpfem Brummen über den Ort. Am Pfingstsonntag den 28. Mai heulten die Sirenen in 6 Stunden fünfmal, und vom Tag der alliierten Invasion verging kaum noch ein Tag, ohne dass die Bürger mit ihrem Handgepäck in die Stollen eilen mussten.

In der Nacht vom 13. April hatte der Scheinwerfer, der auf dem Schützenberg, im Bereich des alten Wasserhochbehälters etabliert war, eine auf dem Rückflug befindliche „Fliegende Festung“, die offensichtlich stark beschädigt war, in knapp 200 m Höhe über dem Kapeller Wald voll angestrahlt. Sekundenbruchteile später war die Scheinwerferstellung zerstört…“

Neben diesen „Angriffen“ setzte im Frühjahr 1944 eine verstärkte Luftbeob-achtung ein, wobei die Verteidigungsanlagen genau erkundet werden sollten. In unserem Raum wurden 96 Bunker erkannt, von denen 27 falsch waren, so dass von den vorhanden 123 Bunkern in Wirklichkeit nur 69 entdeckt worden waren.

Am 1.12. und 2. 12.1944 bombardierten jeweils 144 US 26-Bomber der IX US- Bomberdivision den Raum Saarlautern 3- Ensdorf –Schwalbach - Griesborn. Ziel war es, die erkundeten Befestigungsanlagen auszuschalten. Rund 2200 Bomben wurden abgeworfen. Diese zerstörten in Fraulautern eine Anzahl von Häusern, in Ensdorf das Schwimmbad und in Schwalbach-Griesborn mehrere Wohnhäuser. Bunker und Stellungen wurden nicht getroffen.

Am Samstag, dem 2.12.1944 zogen sich dann die letzten deutschen Truppen über die Lisdorfer Brücke zurück. Um 15 Uhr flog sie in die Luft, ob durch Sprengung oder durch gleichzeitige Bombardierung durch US Jagdbomber, ist noch nicht geklärt. 

Am 3.12. und 4.12. verstärkte sich das Artilleriefeuer auf Ensdorf, Schwalbach-Griesborn und Hülzweiler so sehr, dass mit einem Angriff durch amerikanische Bodentruppen zu rechnen war. In den frühen Morgenstunden des 5.12.1944 setzte dann das 1. und 3. Bataillon des US I.R. 378 unter dem Befehl von Colonel S. J. Metcalfe von Lisdorf aus über die Saar. Der erste Brückenkopf war gegen starken deutschen Widerstand gebildet. In schweren Straßenkämpfen in Ensdorf versuch-ten die Amerikaner den Brückenkopf auszuweiten. Bunker um Bunker, von denen viele gar nicht besetzt waren, wurden erobert. Ab dem 12.12. geriet das Ganze ins Stocken. Als dann am 16.12.1944 die Ardennen Offensive von deutscher Seite aus begann, vollzogen die Amerikaner nach und nach die Räumung des Brücken-kopfes bei Ensdorf. Am 20.12. zogen sich dann die letzten US Soldaten zurück. Eine erneute Bildung dieses Brückenkopfes zu einem späteren Zeitpunkt wurde nicht mehr durchgeführt. Zu Weihnachten beruhigte sich dann die Lage in unserem Raum.

Nach dem schweren Bombardement am 1. und 2. 12. 1944 war es dann für die letzten Zivilpersonen unmöglich, in ihren Häusern zu verbleiben. Eine zweite Evakuierung, besser gesagt, ein erneutes Flüchten war angesagt. Mit Fuhrwerken, Handwagen, Fahrrädern und Tragegepäck verließen viele schon nach den ersten Granateinschlägen ihre Häuser und flüchteten in Richtung Schwarzenholz. Es war ein gefährliches Unterfangen. Die feindlichen Jagdbomber griffen alles an, was sich auf Erden bewegte. In der darauf folgenden Nacht setzte das Granatfeuer verstärkt ein. Ganz Hülzweiler war unter Beschuss, ganz besonders der Kapeller Wald, in dem eine deutsche Artilleriebatterie ihre Stellung hatte, die bald das Feuer erwiderte.

In den letzten Wochen davor versteckten viele Menschen ihre Habe, Bett- und Tischwäsche, Gläser mit eingemachtem Obst und Dosen mit Wurst und Fleisch von der letzten Hausschlachtung in ihren Kellern,  in der Hoffnung, das versteckte Gut bei der Rückkehr nach „Kriegsende“ wohlbehalten vorzufinden.

Nach einem erneuten Bombenangriff  auf Saarlautern am  01. Dezember 1944 machten sich auch die Letzten mit einem Handwagen, auf dem die wenigen Habseligkeiten, die sie mitnehmen konnten verstaut waren, auf die Flucht. Von einer geordneten Rückführung konnte keine Rede mehr sein. Jeder war auf sich allein gestellt. Schon nach einigen hundert Metern gerieten sie auf dem Schwalbacher Berg in einen Jabo - Angriff (Jagdbomber), der Gott sei Dank ohne Opfer vorüber ging. Eine lange Kolonne von flüchtenden Frauen mit ihren Kindern zog durch Schwarzenholz in Richtung Heusweiler. Ein lohnendes Ziel für die Tiefflieger. Es gab immer wieder Tote und Verwundete. Die Menschen hatten nicht mehr vor, weit von unserem Dorf weg zu ziehen. Aber nirgendwo Platz, alles war überbelegt mit Flüchtlingen. Die allein stehenden Frauen mit ihren Kindern suchten verzweifelt nach einer Bleibe. Ab dem 16. März 1945 gab es dann die ersten Genehmigungen zur Rückkehr in die Heimat. Es begann das gleiche Spiel wie 5 Jahre zuvor. Alle Kräfte mussten aufgebracht werden zum Wiederaufbau, zum Ausbessern und dem Organisieren von Lebensmitteln. Der Garten wurde in Ordnung gebracht, da er lebensnotwenig werden sollte. Es war schlimmer als während des Krieges, nur dass die Angst vor einem Luftangriff nicht mehr gegeben war. Hunger und Entbehrungen waren an der Tagesordnung, der Schwarzhandel blühte wie nie zuvor, Bargeld zählte nicht mehr, Tauschhandel war die Geschäftsordnung. 

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Kriegsbeginn und Evakuierung

(Heinz Bernard & Josef Strauß)

Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Pläne zur Evakuierung (Räumung) des gesamten Gebietes erörtert. Diese blieben für den größten Teil der Bevölkerung geheim. Ungeachtet der Kriegsgefahr verlief der Alltag in Hülzweiler wie in den meisten saarländischen Dörfern bis in die zweite Hälfte des Augusts 1939 in gewohnten Bahnen. Auf unserer Freilichtbühne, die im Jahre 1939 zur „Reichsfreilichtbühne“ ernannt wurde, führte man das Schauspiel „Bauernsturm 1525“ auf. Über 20 000 Menschen besuchten an den 4 Wochenenden im Juli und bei der Sondervorstellung am 11. August unseren Ort. Auch die „Kirf“ am 13. August wurde gefeiert als wäre es die letzte. Lediglich die vielen fremden Soldaten erinnerten stets daran, dass etwas Schlimmes in der Luft lag. Einheimische junge Männer sah man kaum noch, die meisten waren eingezogen worden und viele hatten schon ihren „Stellungsbefehl“ in der Tasche. Das bekannt werden des Hitler – Stalin – Packtes am 23. August 1939, die Mobilmachung drei Tage später und die Bewirtschaftung von Lebensmitteln, Bekleidung und aller wichtigen Verbrauchsgüter  ab dem 27. August 1939 verstärkte die Unruhe in der Bevölkerung. Es entstand eine Hektik, die man in Worte nicht fassen kann, die dann aber auch ebenso schnell in Lethargie umschlug. Die Frauen standen in kleinen Gruppen zusammen, disputierten, lamentierten und weinten, wenn sie daran dachten, dass sie alles, was sie unter großen Mühen aufgebaut hatten, verlassen sollten, nur um das nackte Leben zu retten. Unser Dorf lag in der so genannten „roten Zone“, auch Freimachungszone genannt, die sich parallel zur französischen Grenze landeinwärts in einer Tiefe von 10 km hinzog. Die dahinter liegende 20 km tiefe „grüne Zone“ blieb vorerst von der Räumung verschont.

 

Menschenansammlung bei der Evakuierung vor dem Hause
Rupp Heinrich „Häwwele“ in der Hauptstraße

Obwohl Hitler am 25. August 1939 den „Sicherheitsaufmarsch West“ befahl, hofften die Menschen immer noch auf einen friedlichen Ausgang. Man war der Ansicht, der Westwall wirke auf die Franzosen abschreckend. Hülzweiler war mitten im Aufmarschgebiet und im ganzen Ort wimmelte es in jenen Tagen von Soldaten, die in den Schulen Unterkunft fanden, während die Pferde ihrer Batteriegespanne in den Stallungen der Bauern untergebracht waren. Als dann am Freitag, dem 1. September die Kriegserklärung bekannt gemacht wurde, herrschte allgemeine Ratlosigkeit und Niedergeschlagenheit. Der letzte Funke Hoffnung war verschwunden. Jeder Haushaltungsvorstand erhielt den Abmarschbefehl, der die Richtlinien für die Evakuierung enthielt. Da stand es schwarz auf weiß, dass es zum Schutze der Bevölkerung und zur Sicherstellung der Beweglichkeit der Truppen notwendig wäre, die Bevölkerung ins Innere Deutschlands zu bringen.

Keiner wusste wohin und keiner wusste, wann es losgehen sollte. Alle Männer, die nicht bei den Soldaten waren, weil sie als Bergmann oder Hüttenarbeiter in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten,  „u. k.“ (unabkömmlich) gestellt waren, wurden von ihren Familien getrennt. Unbeschreibliche Szenen spielten sich auf dem Vorplatz der Kirche ab. Weinen, Jammern, Klagen, das Schreien der Kinder erfüllte die Luft. Sollte man sich wieder sehen, sollte man wieder in die Heimat zurückkehren?

Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich am 22. Juni 1940 begann dann die schrittweise Wiederbesiedlung der „Roten Zone“, unserer Heimat. „Nix wie hemm!“ war die Parole. Mit jedem Schritt, mit dem wir uns unseren Häusern näherten, wuchs die Anspannung, aber die Zufriedenheit, wieder zu Hause zu sein, überwog alles andere. „Gott sei Dank“ konnten wir sagen, wenn wir sahen, dass das Haus noch stand. Aber wie sah es drinnen aus? Die Haustür und die Zimmertüren standen sperrangelweit offen, die Fensterscheiben waren zerbrochen,  am Dach hatte der Krieg seine Spuren hinterlassen, so dass es hineinregnen konnte, was dann auch entsprechende Spuren an den Zimmerdecken hinterlassen hatte. Die Tapeten hingen in Fetzen von den Wänden, die Möbel waren teilweise zerstört, die Betten waren ohne Matratzen, die Öfen ohne Rohre. Die Schäden am Haus waren oft nicht den direkten Kriegseinwirkungen zuzuschreiben, Witterungseinflüsse, mutwillige Zerstörungen und Plünderungen waren die Hauptursachen. In den Gärten sah es besonders schlimm aus, die Natur hatte sich ausgebreitet. Beete waren verwildert, die Gartenpfade mit Unkraut überwachsen, die Bäume standen im prächtigen Wildwuchs. Er musste so schnell wie möglich wieder hergerichtet werden, denn er war von lebenswichtiger Bedeutung für die Menschen. Es dauerte wochenlang, monatelang bis alles wieder einigermaßen in Ordnung war. 

Als dann im Sommer 1941 die Kartoffeln, Gemüse und Obst zur Mangelware wurden, waren wir froh, vieles im Garten selbst züchten zu können. Trotzdem wurde das Schlangestehen vor den Obst- und Gemüseläden – das nach dem Krieg noch viel schlimmer war - zu einer alltäglichen Beschäftigung. Um ja etwas von den stark rationalisierten Lebensmitteln zu ergattern, stellte sich einer aus der Familie schon mitten in der Nacht vor das Geschäft, der dann am frühen Morgen von einem anderen Familienmitglied abgelöst wurde. Im Frühjahr 1942 hatte sich die Ernährungskrise stark verschärft. Die wöchentliche Lebensmittelzuteilung verringerte sich ab dem 06. April 1942 wie folgt: 

Fleisch von 400 g auf 300 g

Butter   von 150 g auf 125 g

Margarine von 96g auf 65 g

Brot von 2250 g auf 2000 g.

 

Wenn man als „Selbstversorger“ ein mühsam gemästetes Schwein schlachtete – nur mit Genehmigung – wurde das auf die Lebensmittelzuteilung angerechnet.  Das führte notgedrungen zu einer Welle von „Schwarzschlachtungen“, die schwer bestraft wurden. Das hatte zur Folge, dass die Kleintierhaltung immer größere Ausmaße annahm, Ziegen und Kaninchen fehlten in keinem Haus.                                                                                              

Der Anteil an minderwertigen Zutaten und Ersatzstoffen in Lebensmitteln nahm stetig zu. So kannte man „Kaffee – Ersatz, Eipulver, Reisersatz, Kriegsbier, Fliegerbier“ u.s.w.   

Jetzt war die Selbstversorgung gefragt. Wohl denen, die einen eigenen Garten hatten. Schwarzmarkt und Tauschhandel, „Hamstern“ und „Organisieren“ begannen sich auszubilden und wurden zu einer dauerhaften Beschäftigung. Man durfte sich allerdings nicht erwischen lassen. Dies galt als Verstoß gegen die Kriegswirtschaftsbestimmungen und wurde mit drastischen Strafen belegt.  

Dazu kam, dass man von der „Heimatfront“ immer größeren Einsatz verlangte. Die „HJ, das Jungvolk, der BDM und die Jungmädchenschar“, alle versuchten sich im Überbieten von Sammlungen von Altpapier, Altkleidern, Metallabfällen, Buntmetallen, Knochen usw. Kaninchenfelle zur Herstellung von Winterkleidung für die Soldaten an der Ostfront, Pelzmäntel, Wintermäntel, Stiefeln, Verbandmaterial, selbst gestrickte Strümpfe und zu guter Letzt noch Lebensmittel, alles wurde gesammelt. 

Schulklassen sammelten den gelb-schwarz gestreiften „Volksfeind“, den Kartoffelkäfer mit seinen Larven und Eiern, Heilkräuter für Tees, Buchecker, Eicheln und Kastanien. Alles wurde verwertet. 

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Quellen- und Literaturangaben

  1. Der bestellte Tod – Dieter Gräber
  2. Als Feuer vom Himmel fiel – Stefan Bürgdorf
  3. Der Brand – Jörg Friedrich
  4. Bewegte Jahre – 1. und 2. Teil – Volkmar Schommer
  5. Der Westwall im Raum Dillingen von 1936 bis heute – Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar e. V. 
  6. 50 Jahre Westwall 1 und 2 – „Unsere Heimat“ Heft 1 und 2 von 1990
  7. Schanzbub aus Würzburg – Hermann Geisel
  8. Rundfrage über die Schicksale der saarländischen Gemeinden und über die Bevölkerung im 2. Weltkrieg – Kommission für
  9. saarländische Landesgeschichte und Volksforschung
  10. Berichte von Zeitzeugen
  11. Ein Gang durch den Stollen weckt alte Erinnerungen – Ein Bericht in der Saarbrücker Zeitung vom 21.Oktober 1986 von Heinrich Lessel

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RLB – Reichsluftschutzbund

(Heinz Bernard & Josef Strauß)


 

Am 29.04.1933, also unmittelbar nach der Machtübernahme, wurde der RLB im Deutschen Reich gegründet, und am 26.05.2935 per Gesetz die Luftschutzpflicht eingeführt. Die Amtsträger des RLB trugen eine Uniform aus graublauem Tuch mit dem oben abgebildeten Hoheitszeichen am linken Unterarm und an der Mütze. Schon 1937 begann man mit dem Aufbau des RLB in der Gemeinde Ensdorf – Hülzweiler, Gemeindegruppenführer war Heinrich Bernard.

 

 Die Ortsgruppe des RLB Hülzweiler unter Leitung von Ortsgruppenführer Johann Lessel (2. Reihe 3. von rechts). Die Führungskräfte trugen die oben beschriebene Uniform (2. Reihe von rechts: Adams Josef, Lessel Johann, Kraus Hermann (Soldat), Gemeindegruppenführer Bernard Heinrich und Rosche Wilhelm, obere Reihe mit Fahne: rechts Ludes Hilarius, links Bernard Josef

Das Ausbildungsprogramm des passiven oder zivilen Luftschutzes umfasste Flugmelde- und Warndienst, das luftschutzmäßige Herrichten eines Hause und der Wohnung, die Brandbekämpfung, Gasschutz, Erste Hilfe, Menschenrettung, Bergung wichtiger Sachwerte, Instandsetzungsarbeiten, Notversorgung, Evakuierungsmaßnahmen und Errichtung von Schutzbauten. Diese Ausbildung der Selbstschutzkräfte sowie das Anlegen von Gasmasken erfolgte in Luftschutzschulen, die in jeder Gemeinde bestanden.  

Die Hausgemeinschaft bildete die kleinste, aber eigentlich die wichtigste Einheit des Luftschutzes. Sie hatte die Bekämpfung von Entstehungsbränden zu gewährleisten. Besonders wichtig für den Brandschutz war die Entrümpelung des Dachbodens. Alles Brennbare wie Papier, Holz, Stroh, Heu usw. musste entfernt werden. Da der Dachboden früher aus Holzbalken mit Stückholz bestand, wurde er mit einer Schicht trockenen Sandes belegt. Das Gebälk wurde mit Brandschutzfarbe (Kalk) gestrichen. Zur spontanen Brandbekämpfung standen einige Eimer mit Wasser, (im Winter mit Viehsalz vor dem Einfrieren geschützt) eine Handpumpe, eine Feuerpatsche (Besenstiel mit Putzlappen), ein Haufen trockener Sand mit Schaufel und einige Tüten mit Sand gefüllt in unmittelbarer Nähe des Einstiegs zum Dachboden bereit. Auch die Wohnung musste hergerichtet werden. Teppiche mussten aufgerollt, Gardinen abgehängt, Polstermöbel von Fenstern weggeräumt und beim Verlassen der Wohnung die Türen offen gelassen werden.

Um den feindlichen Flugzeugen keine Anhaltspunkte zu geben, wurde auf strickte Verdunkelung geachtet. Die Fenster wurden durch Läden, Rollos, Laken oder sonstige Hilfsmittel völlig abgedichtet, alle unnötigen Lichtquellen abgeschaltet, unabdingbare wie Schaufenster und Glasdächer abgeblendet oder mit dunklen Farben angestrichen, Autos, Motorräder und Fahrräder hatten einen Lampen-aufsatz mit einem 1 cm breiten wagerechten Schlitz, Taschenlampen waren mit Rot-, Gelb- und Grünlicht abgeblendet. Wenn bei Fliegeralarm die Frauen und Kinder die Schutzräume, entweder ihre eigenen Kellerräume oder Stollen und Bunker aufsuchten, patrouillierten die Blockwarte, dem einige Straßenzüge unterstellt waren, oder die Zellenwarte, die für jeweils eine Straße  verantwortlich waren, mit Stahlhelm und Gasmaske durch die Straßen, um die leerstehenden Häuser  zu beaufsichtigen und eventuell bei einem Angriff Brände schnellst möglich zu entdecken und im Keime zu unterdrücken. Sie kontrollierten aber auch die Verdunkelung. Bei Verstößen wurden drastische Strafen mit einem Stromentzug bis zu 8 Tagen ausgesprochen. Alle diese Verdunklungsmaßnahmen waren eher ein Beruhigungsmittel für die Bevölkerung als eine wirkliche Hilfe beim Luftschutz. Schon 1942 war es den Flugzeugen möglich, durch infrarote Wärmemessungen Menschenansammlungen in Städten und Dörfern zu lokalisieren. Bei Bombenangriffen markierten die so genannten Pfadfinder (Flugzeuge, die vor dem Bomberverband herflogen) taghell die anzufliegenden Ziele mit Leuchtbomben, im Volksmund „Christbäume“ genannt.

Da in den Städten die Straßenbeleuchtung abgeschaltet war, und in den engen Straßen in der Dunkelheit viele Gefahren lauerten, wurden alle gefährlichen Stellen besonders gekennzeichnet; Bordsteine erhielten einen Anstrich mit einem 50 m langen, unterbrochenen  weißen Streifen, Treppen wurden mit Zickzack-streifen markiert, Hausvorsprünge, Masten, Geländer, Pfeiler und Schranken  mit einem reflektierenden Calciumanstrich versehen. Um den Menschen in den Städten Schutz bei einem Angriff zu gewähren, wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt: In den Hauskellern wurden die Decken mit Holzstempeln abgesichert, mit Sitzgelegenheiten ausgestattet, und mit Mauerdurchbrüchen wurden einige Keller miteinander verbunden, um so bei Verschüttungen Notausgänge frei zu haben. An zentralen Stellen in der Stadt wurden öffentliche Luftschutzräume hergerichtet. Bei einem Luftangriff wurde der U-Bahnbetrieb eingestellt und die Schächte als Schutzräume freigegeben, in den Parkanlagen wurden Splittergräben ausgehoben, mannshohe Schutzrohre 3 – 4 m tief in einer Länge von 50 bis 80 m in die Erde verlegt, einige nebeneinander, manchmal auch übereinander, an Knotenpunkten wurden riesige Hochbunker in Rekordzeit erstellt. In günstigen Lagen an den Stadträndern oder auf dem Lande wurden entweder Tiefstollen oder Hangstollen gebaut.

 

 

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Schanzeinsatz

(Heinz Bernard & Josef Strauß)

Als Mitte Jahres 1944 die Front immer näher kam, hieß es dann „Auf zum letzten Gefecht“

Alles, was nicht schon zur Wehrmacht einberufen war, musste zum „Schanzen“ antreten. Alte Männer, Frauen, Kinder, Fremdarbeiter und Kriegsgefangene sollten ein Bollwerk aus Gräben und Panzergräben ausbauen, an dem der Feind zum Stillstand kommen sollte. Ende Juli 1944 waren die Hitlerjungen aus Hülzweiler auf den Gauhöhen bei Ittersdorf unter Führung von verwundeten Soldaten im Schanzeinsatz, um Schützengräben auszuwerfen. Auf dem Röderberg zwischen Roden und Dillingen wurden unter der Führung des verwundeten Oberfeldwebels Hugo Langenfeld aus Hülzweiler Geschützstellungen und Laufgräben zwischen den einzelnen Batterien ausgehoben. Eine Batterie von Vierlingsgeschützen gab Feuerschutz gegen die ständig angreifenden „Jabos“ (Jagdbomber). Da die Arbeiten nicht schnell genug vorankamen, wurde im September 1944 eine große Schanzaktion ins Leben gerufen. Kriegsgefangene, Zivilisten und Angehörige von verschiedensten Partieorganisationen wurden für den Schanzeinsatz verpflichtet. Unter der Anleitung von meist kriegsversehrten Soldaten wurden Panzerdeckungslöcher, Laufgräben und Stellungen ausgehoben. Die größte und schwierigste Aufgabe aber war das Ausheben eines so genannte „Panzergrabens“. Mit seinen Ausmaßen von 5 – 6m Breite und 4 – 5m Tiefe sollte er feindliche Panzer aufhalten. Vom Ensdorfer Schwimmbad kommend verlief dieser Graben durch den Ensdorfer Wald, überquerte die Straße zwischen Saarlautern 3 (Fraulautern) östlich des Saarschachtes über den Sandberg Richtung Dillingen. Da die Arbeiten nicht schnell genug vorankamen, wurden Hitlerjugend und BDM aus dem gesamten Reichsgebiet an den Westwall abkommandiert. Im Raum Saarlautern lagen etwa 3000 Hitlerjungen aus dem Gebiet 39 – deckungsgleich mit dem Gau Mainfranken und der Hauptstadt Würzburg. In Hülzweiler lag davon der Bann 309 mit weit über 500 Jungs und ca. 30 Mädels im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. In der Knaben- und Mädchenschule gegenüber der Kirche befanden sich das Kranken-Revier, die Wache und die Brotschneideküche. Dazu belegte die Gefolgschaft 9 der Motor – HJ in einer Stärke von rund 60 Mann die ehemaligen Schulsäle. Im Gasthaus Max Uhl war die Mädelgruppe mit 35 Mädchen und die Banngeschäftsstelle einquartiert . Der Saal Kutscher – Lind in der Saarwellinger Straße war mit 150 Jungen der „Eisernen Schar“, der Marine - HJ und dem Stab belegt, der Saal Kutscher – Strauß in der Schwarzenholzer Straße mit 120 Jungs der Flieger – HJ. In der Schule „Hinter den Gärten“ – heute Bürgerhaus Matthias Kohn – lagen 80 Schüler der Lehrerbildungsanstalt Würzburg. In der alten „Löwes Schule“ in der Fraulauterner Straße hatten der Streifendienst und 160 Lehrlinge aus dem Mainfränkischen Lehrlingsheim ihre Unterkunft. Da das unmittelbare Kriegsgeschehen immer näher rückte, schickte man diese „Kinder“ zum Glück Ende November nach Hause. Ab Mitte November wurde ein Teil der Bunker durch deutsche Truppen, welche aus zusammen gewürfelten Einheiten bestanden, besetzt.  Das Kriegsgeschehen verlagerte sich direkt in unsere Heimat. Am 29. November 1944 gegen 23 Uhr schlugen die ersten Granaten auf dem Kaninchenberg ein. Der Beschuss dauerte bis in den frühen Morgen. In der ersten Dezemberwoche wurden dann auch die drei Bunker östlich von Hülzweiler durch zurückweichende Soldaten der Kampfgruppe „von Mühlen“ besetzt. Einige Bunker wurden auch mit Leuten des Volkssturmes belegt.

Eine zweite Evakuierung, besser gesagt, ein erneutes Flüchten war angesagt. Mit Fuhrwerken, Handwagen, Fahrrädern und Tragegepäck verließen viele schon nach den ersten Granateinschlägen ihre Häuser und flüchteten in Richtung Schwarzenholz. Es war ein gefährliches Unterfangen. Die feindlichen Jagdbomber griffen alles an, was sich auf Erden bewegte. In der darauf folgenden Nacht setzte das Granatfeuer verstärkt ein. Ganz Hülzweiler war unter Beschuss, ganz besonders der Kapeller Wald, in dem eine deutsche Artilleriebatterie ihre Stellung hatte, die bald das Feuer erwiderte.

In den letzten Wochen davor versteckten viele Menschen ihre Habe, Bett- und Tischwäsche, Gläser mit eingemachtem Obst und Dosen mit Wurst und Fleisch von der letzten Hausschlachtung in ihren Kellern,  in der Hoffnung, das versteckte Gut bei der Rückkehr nach „Kriegsende“ wohlbehalten vorzufinden.

Nach einem erneuten Bombenangriff  auf Saarlautern am  01. Dezember 1944 machten sich auch die Letzten mit einem Handwagen, auf dem die wenigen Habseligkeiten, die sie mitnehmen konnten verstaut waren, auf die Flucht. Von einer geordneten Rückführung konnte keine Rede mehr sein. Jeder war auf sich allein gestellt. Schon nach einigen hundert Metern gerieten sie auf dem Schwalbacher Berg in einen Jabo - Angriff (Jagdbomber), der Gott sei Dank ohne Opfer vorüber ging. Eine lange Kolonne von flüchtenden Frauen mit ihren Kindern zog durch Schwarzenholz in Richtung Heusweiler. Ein lohnendes Ziel für die Tiefflieger. Es gab immer wieder Tote und Verwundete. Die Menschen hatten nicht mehr vor, weit von unserem Dorf weg zu ziehen. Aber nirgendwo Platz, alles war überbelegt mit Flüchtlingen. Die allein stehenden Frauen mit ihren Kindern suchten verzweifelt nach einer Bleibe. Ab dem 16. März 1945 gab es dann die ersten Genehmigungen zur Rückkehr in die Heimat. Es begann das gleiche Spiel wie 5 Jahre zuvor. Alle Kräfte mussten aufgebracht werden zum Wiederaufbau, zum Ausbessern und dem Organisieren von Lebensmitteln. Der Garten wurde in Ordnung gebracht, da er lebensnotwenig werden sollte. Es war schlimmer als während des Krieges, nur dass die Angst vor einem Luftangriff nicht mehr gegeben war. Hunger und Entbehrungen waren an der Tagesordnung, der Schwarzhandel blühte wie nie zuvor, Bargeld zählte nicht mehr, Tauschhandel war die Geschäftsordnung.

   

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© Hans Günter Groß